Inhaltsverzeichnis > A 1 – Allgemeines > A 1.13

Diese Seite als PDF

A 1.13 Gefahrstoffe

  Die häufigsten Gefahren

  • Gesundheitsschädigungen, z. B. Verätzungen, allergische Reaktionen, Krebs
  • Entstehung von Bränden und Explosionen

  Maßnahmen

Grundlage für alle Festlegungen ist eine Gefährdungsbeurteilung.

Technische Schutzmaßnahmen
1.Verwendung geschlossener Anlagen
2. Erfassung der Gefahrstoffe am Entstehungsort
    oder an der Austrittsstelle
3. Lüftung
4. leitfähig geerdete Behälter verwenden

Umgang

  • Kontakt mit der Haut und den Augen vermeiden.
  • Gefahrstoffe nicht in Lebensmittelbehältern und Lebensmittel nicht in Chemikalienbehältern aufbewahren oder zubereiten.
  • Nach dem Umgang Hände gründlich reinigen.
  • Nicht rauchen, essen, trinken oder schnupfen  1 .
  • Lebensmittel nicht in der Nähe von Gefahrstoffen aufbewahren.
  • Benetzte Kleidung, gegebenenfalls auch die Unterwäsche, sofort wechseln.
  • Bei brennbaren und explosiblen Gefahrstoffen geeignete Brand- und Explosionsschutzmaßnahmen durchführen.

Lagerung

  • in Originalgebinden  2  oder speziellen Lagertanks  3  lagern
  • Behälter unter Umständen in Auffangwannen lagern  4 
  • am Arbeitsplatz nur die für einen ungehinderten Arbeitsablauf notwendige Menge aufbewahren





Persönliche Schutzausrüstungen

Handschutz
Es gibt keinen Universalhandschuh! Je nach Art des verwendeten Gefahrstoffs ist das Handschuhmaterial auszuwählen. Es ist unbedingt auf die „Durchbruchzeit“ zu achten.

Augenschutz

  • Gestellbrille mit Seitenschutz: bei einfachen Überwachungstätigkeiten und generell im Labor
  • Korbbrille: bei Spritzgefahr und beim Umgang mit Säuren und Laugen
  • gasdichte Brille: beim Auftreten von reizenden und ätzenden Gasen, Dämpfen oder Aerosolen
  • Ein Visier ist nur in Verbindung mit einer entsprechenden Brille zulässig.

Kleidung

  • geschlossene Kleidung und Schuhe (im Labor: geschlossener Labormantel)

Hautschutz
Es sind Hautreinigungs- und Hautschutzmaßnahmen anhand eines Hautschutzplanes durchzuführen. Bei Feuchtigkeit unter den Handschuhen können dünne Unterziehhandschuhe aus Baumwolle getragen werden.

Zusätzlich Maßnahmen

  • bei ätzenden Flüssigkeiten: Schürze
  • bei erhöhter Brandgefahr: Kleidung (inklusive der Unterkleidung) aus schwer entflammbarem Gewebe oder ausreichend flammhemmend ausgerüsteter Baumwolle; keinesfalls Kleidung aus Polyester oder andere Kunstfasern tragen!

Gefahrstoff Eigenschaft Typische Vertreter in der Steine und Erden-Industrie/ Bestandteil Vorkommen Auftreten Gefährdung
Säuren, Laugen ätzend Salzsäure, Ameisensäure, Essigsäure, Phosphorsäure Zementschleierentferner, Baugerätereiniger Schädigung der Augen, Haut und Schleimhäute
    Schwefelsäure Batteriesäure Zerstörung von Hautgewebe und Hornhaut
    Salzsäure, Hexafluorkieselsäure, Flusssäure (*) Steinreiniger, Steinfestiger, Oberflächenätzmittel
    Zitronensäure, Natronlauge, Calciumhydroxid (Ätzkalk) Betonzusätze, Mörtelzusätze Bei Flusssäure auch Schädigung bis zum Knochen hin (schwer heilend!)
    Calciumhydroxid (Ätzkalk), Natronlauge Wasseraufbereitungsmittel  
    Kalilauge, Natronlauge Kaltreiniger auf Wasserbasis  
Kohlenwasserstoffe (KW) entzündlich/leicht entzündlich/hoch entzündlich/explosionsgefährlich Testbenzin, Cyclohexan, Toluol, Xylol, Styrol Lösemittel, Kaltreiniger, Lackverdünner, Nitroverdünnung Steinpflegemittel Brand- und Explosionsgefahr

Schädigung der Haut und Schleimhäute, der Atemwege und der Augen
Halogenkohlenwasserstoffe (CKW, FCKW) reizend/ gesundheitsschädlich Dichlormethan, Trichlorethen (TRI), Tetrachlorethen (PER) TRI in Asphalt- Mischlaboren Bei längerer Einwirkung: Schädigung der Leber, Nieren und des zentralen Nervensystems bis zum Tod
Alkohole entzündlich/ leichtentzündlich/ explosionsgefährlich Methanol, Ethanol, Isopropanol, Glykol    
Ester   Ethylacetat, Butylacetat, Benzylacetat Lösemittel, Kleberbestandteil TRI und PER können Krebs erzeugen!
Ketone   Aceton, Methylethylketon (MEK) Lösemittel, Reinigungsmittel  
Reaktions- und Kunstharze reizend/ sensibilisierend Epoxidharze aus 2 Komponenten: Epoxidverbindung + Aminhärter Lacke, Klebstoffe, Harzmörtel, Fugenmörtel, Gießharz, Laminierharz, Injektionsharz Schädigung der Haut und Atemwege, sensibilisierend, allergieauslösend
  Härter: ätzend    
  Styrol: entzündlich; mit Luft explosives Gemisch Polyesterharze aus 3 bis 4 Komponenten: Polyesterverbindung, Löse-, bzw. Vernetzungsmittel (Styrol) Härter (organische Peroxide) und Beschleuniger (Amine) Betonbeschichtung, Spachtelmasse, Steinkitte, Anstrichmittel, Klebstoffe, Herstellung von Polymerbeton Härter verursacht sehr schwere Augenschäden, Schädigung (Reizung) der Haut und Atemwege, sensibilisierend, allergieauslösend

Härter verursacht sehr schwere Augenschäden
  Härter: ätzend; explosionsartige Zersetzung
  Isocyanate: gesundheitsschädlich, z. T. reizend oder giftig Polyurethane: 1- oder 2- Komponentensysteme aus Polyester oder Polyalkoholen und vorpolymerisierten Isocyanaten; Amine als Katalysator PU-Schäume, Fugen- und Abdichtmassen, Anstriche, Beschichtungen, Kleber, Isocyanate: Schädigung der Haut und Schleimhäute, der Atemwege und der Augen
Härter: z. T. ätzend Härter: verursacht schwere bis sehr schwere Augenschäden
  Acrylate: leichtentzündlich, reizend Polyacrylate 2-Komponentensysteme: Acrylate (z. B. Methylmethacrylat (MMA)) und Härter (organische Peroxide) Gießharze Acrylate und Härter, bis zum endgültigen Aushärten: Reizung der Haut und Schleimhäute, der Atemwege und der Augen, hautsensibilisierend, Brandgefahr
Härter: brandfördernd, explosionsartige Zersetzung möglich  
Dieselmotoremissionen (DME) gesundheitsschädlich Feinstpartikel + polycyklische aromatische KW (PAK) Abgase von Dieselfahrzeugen und Dieselstaplern Partikel + PAK sind krebserzeugend → Lungenkrebs!
Brenngase hochentzündlich Acetylen Autogenschweißen Brand- und Explosionsgefahr
  brandfördernd Sauerstoff   Brandgefahr (Selbstentzündung von oxidierbaren Materialien)
Schweißrauche beim:
a) Elektroschweißen gesundheitsschädlich Eisenoxide verdampfender Werkstoff sowie Elektrodenumhüllung lungenbelastend
    bei hochlegierten Stählen: sechswertige Chromverbindungen und Nickelverbindungen Cr- und Ni-Verbindungen sind krebserzeugend!
  reizend Ozon bei allen Lichtbogenschweißverfahren Reizung der Augen und der Atemwege
b) Autogenschweißen reizend nitrose Gase chem. Reaktion von Sauerstoff und Stickstoff Schädigung der Atemwege (toxisches Lungenödem)
Diesel gesundheitsschädlich komplexes Kohlenwasserstoffgemisch Kraftstoff wiederholter Kontakt kann zu rissiger Haut führen, Lungenschäden beim Verschlucken, Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
Ottokraftstoff hochentzündlich, giftig komplexes Kohlenwasserstoffgemisch, enthält Benzol Kraftstoff Reizung der Haut,Benzol kann Krebs erzeugen, Brand- und Explosionsgefahr
Treibgase hochentzündlich Butan, Propan und Gemische Sprühdosen: Kontaktspray, Farbspray Brand- und Explosionsgefahr
Kühlschmierstoffe (KSS)   Grundstoffe: nichtsynthetisch, (KW) teilsynthetisch, vollsynthetisch + Additive Metallbearbeitung z. T. Bildung von Nitrosaminen möglich: krebserzeugend!
a) nichtwassermischbare     wiederholter Kontakt kann zu rissiger Haut und Hauterkrankungen führen.
b) wassermischbare und wassergemischte Biogefährdung     Gefährdung durch Mikroorganismen
Holzstaub je nach Art Buchen- und Eichenholzstaub

andere Hölzer
Schalungsbau bei der Herstellung von Betonfertigteilen krebserzeugend! (Nasenscheidewand)

allergieauslösend
Betontrennmittel je nach Aufbau bestehend aus organischen Lösemitteln (z. B. Mineralöle, Benzine, Glykole) und Trennwirkstoffen (z. B. Paraffine, Harze, Seifen, Wachse) Herstellung von Beton und Betonfertigteilen mit Luft Bildung eines brennbaren oder explosiblen Gemisches möglich, insbesondere beim Versprühen! Schädigung der Haut und Schleimhäute, der Atemwege und der Augen möglich
Aluminiumpulver explosionsgefährlich   Herstellung von Leichtbaustoffen

Herstellung von Trockenmörtel
mit Zündquellen Staubexplosionen möglich,
Bildung von Wasserstoffgas bei Wasserzutritt
Branntkalk ätzend   Herstellung von Branntkalk

Herstellung von Mörtel und Putzen
schwerste Schädigung der Haut und Schleimhäute, der Atemwege und der Augen
Zement reizend Chromat Herstellung von Zementklinker Reizungen der Haut und der Schleimhäute, reagiert mit Wasser stark alkalisch: Gefahr ernster Augenschäden, Chromat ist sensibilisierend und wirkt allergieauslösend („Maurerkrätze“)
Herstellung von Frischbeton, Mörtel und Putzen
Herstellung von Betonfertigteilen
Zuschlagstoffe staubexplosionsfähig Methylcellulose, Tylose, Holzmehl, Zellstoff, Weinsäure, Zuckerderivate, Seifen Herstellung von Mörtel und Putzen mit Zündquellen Staubexplosionen möglich
Sekundärbrennstoffe Biogefährdung, staubexplosionsfähig Tiermehl, Fluff bzw. BPG, Klärschlamm Verwertung bei der Zementherstellung Gefährdung durch Mikroorganismen, mit Zündquellen Staubexplosionen möglich
Kohlenstäube staubexplosionsfähig Stein- und Braunkohlenstaub Herstellung von Zement mit Zündquellen Staubexplosionen möglich

  >   Weitere Informationen

  • Betriebssicherheitsverordnung
  • Gefahrstoffverordnung
  • TRGS 002 „Übersicht über den Stand der technischen Regeln für Gefahrstoffe – TRGS“
  • TRGS 900 „Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz“ (wird in absehbarer Zeit geändert)
  • BGI 696 „Gefährliche Stoffe in der Steine und Erden-Industrie“
  • WINGIS CD-ROM der Bau-BG (GISBAU)

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Zurück zum Inhalt "Grundlagen"