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A 4.9 Elektroarbeiten

  Die häufigsten Gefahren

  • Beim Berühren spannungsführender Teile kommt es zu einer Körperdurchströmung, die zum Herzstillstand führen kann  1  (siehe Tabelle 1).
  • Beim unsachgemäßen Hantieren an spannungsführenden Teilen bzw. beim Ziehen von NH-Sicherungseinsätzen kann es zur Bildung von Lichtbögen kommen, die zu schweren Verbrennungen an Gesicht und Händen führen.
  • Bei Elektroarbeiten auf hochgelegenen Arbeitsplätzen, z. B. Leiter, Gerüst, besteht die Gefahr des Absturzes.

Mit einer Frequenz von 50 Hz bis 60 Hz hat
Wechselstrom folgende Wirkungen
0,0045 mA Wahrnehmbarkeit mit der Zunge
1,2 mA Wahrnehmbarkeit mit den Fingern
6 mA Muskelverkrampfung bei Frauen,
Loslassgrenze (let-go current)
9 mA Muskelverkrampfung bei Männern,
Loslassgrenze (let-go current)
20 mA Verkrampfung der Atemmuskulatur
80 mA Herzkammerflimmern,
wenn Einwirkdauer länger als 1 s.
Tabelle 1: Wirkung von Wechselstrom


Elektrische Widerstände des menschlichen Körpers bei 220 V 50 Hz

  Maßnahmen

Technische Anforderungen

Elektrische Anlagen sind gemäß den einschlägigen VDE-Bestimmungen, insbesondere VDE 0100 und VDE 0105 zu errichten und zu betreiben.
Die elektrische Ausrüstung von Maschinen muss DIN EN 60204 entsprechen.

Reparatur und Wartung

Bei Reparatur und Wartung von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln sind die 5 Sicherheitsregeln zu beachten:

1. Freischalten
Freischalten ist das allpolige Ausschalten oder Abtrennen einer Anlage, eines Teiles einer Anlage oder eines Betriebsmittels von allen nicht geerdeten Leitern.

2. Gegen Wiedereinschalten sichern
Hauptschalter sind mit einem Vorhängeschloss zu sichern. Herausgenommene Sicherungseinsätze sind sicher zu verwahren. Nicht herausnehmbare Leitungsschutzschalter sollten mit Klebefolie gesichert werden  2 . Es empfiehlt sich, ein Schaltverbotsschild  3  anzubringen.

3. Spannungsfreiheit feststellen
Das Feststellen der Spannungsfreiheit darf nur eine Elektrofachkraft oder eine elektrotechnisch unterwiesene Person und nur mit dafür geeigneten Geräten vornehmen.

4. Erden und Kurzschließen
Bei Anlagen mit Nennspannung über 1000 V bzw. bei Freileitungen muss geerdet und kurzgeschlossen werden.
An Anlagen mit Nennspannungen bis 1000 Volt braucht in der Regel nicht geerdet und kurzgeschlossen zu werden.

5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
Können benachbarte Anlagenteile nicht freigeschaltet werden, müssen die aktiven Teile durch Abdecken oder Abschranken gesichert werden.

Besondere Schutzmaßnahmen für das Ziehen von NH-Sicherungseinsätzen

  • Können offene Verteilungen mit NH-Sicherungseinsätzen nicht spannungsfrei geschaltet werden, müssen besondere Schutzmaßnahmen angewandt werden.
  • Es dürfen nur NH-Sicherungsaufsteckgriffe mit Stulpe benutzt werden. Weiterhin ist ein Helm mit Gesichtsschutz zu tragen  4 .

Prüfungen

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen regelmäßig geprüft werden. Die Prüffristen ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Als Anhalt können folgende Fristen herangezogen werden:

  • elektrische Anlagen alle 4 Jahre
  • elektrische Betriebsmittel alle 6 Monate, auf Baustellen alle 3 Monate
  • Werkzeuge vor jeder Benutzung

Beschäftigungsbeschränkungen

  • Elektrotechnische Laien dürfen schalten und steuern mit dafür vorgesehenen Bedienteilen. Schaltvorgänge innerhalb von Schaltschränken dürfen nur durchgeführt werden, wenn der Schaltschrank fingersicher ausgeführt ist. Auch Schraubsicherungseinsätze dürfen gewechselt werden.
  • Elektrotechnisch unterwiesene Personen dürfen diejenigen Arbeiten durchführen, für die sie unterwiesen und schriftlich beauftragt sind. Das können z. B. das Ziehen von NH-Sicherungseinsätzen, das Anbringen von Abdeckungen und Abschrankungen sowie die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel mit geeigneten Mess- und Prüfgeräten sein.
  • Alle anderen Elektroarbeiten dürfen nur von Elektrofachkräften durchgeführt werden.

Erste Hilfe

  • Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen sollten regelmäßig in Erster Hilfe aus- und weitergebildet werden. Insbesondere die Beherrschung der Herz-Lungen-Wiederbelebung ist bei Stromunfällen lebenswichtig.

  >   Weitere Informationen

  • BGV A 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“
  • Unfallverhütungsvorschrift(en), siehe Anhang
  • BGI 519 „Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen“
  • BGI 548 „Elektrofachkräfte“
  • BGI 594 „Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung“
  • BGI 608 „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Baustellen“
  • DIN EN 60204 „Elektrische Ausrüstung von Maschinen“
  • VDE 0100 „Errichten von Starkstromanlagen“
  • VDE 0105 „Betrieb von Starkstromanlagen“
  • VDE 0701 „Instandsetzung, Änderung und Prüfung elektrischer Geräte“
  • VDE 0702 „Wiederholungsprüfungen an elektrischen Geräten“

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